Ein neuer Präsident und zwei neue Vorstandsmitglieder für die LVS

  13.04.2022 Landwirtschaft, Landwirtschaft, Saanenland

Wie schon 2021 führte die Landwirtschaftliche Vereinigung Saanenland (LVS) ihre Hauptversammlung im März 2022 auf schriftlichen Weg durch. Der abtretende Präsident Christoph Bach wurde durch David Perreten ersetzt. Heidi Schopfer und Daniel Trachsel nehmen neu im Vorstand Einsitz.

VRENI MÜLLENER
Dass der Landwirtschaftlichen Vereinigung Saanenland 210 Betriebe als Mitglieder angeschlossen sind, beweist, dass sie aus dem bäuerlichen Umfeld nicht mehr wegzudenken ist. Die traktandierten Geschäfte waren alle unbestritten. Die Rechnung schloss mit einem Gewinn von gut 2400 Franken ab und das Budget für das laufende Jahr rechnet mit einem Defizit von 6180 Franken. Erfahrungsgemäss wird aber vorsichtig budgetiert, sodass Ende Jahr meistens mit positiven Zahlen abgeschlossen werden kann.

Es standen Wahlen an: Vizepräsident Erhard Kübli wurde wiedergewählt, Heidi Schopfer und Daniel Trachsel folgen im Vorstand auf die Austretenden Christoph Bach und Jörg Gander. Das Amt des Präsidenten übernimmt David Perreten, der bereits ein Jahr im Vorstand mitgewirkt hat.

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Der «Anzeiger von Saanen» hat dem neuen Präsidenten David Perreten aktuelle Fragen zur Landwirtschaft im Saanenland gestellt.

Seit einem Jahr sind Sie im Vorstand der Landwirtschaftlichen Vereinigung Saanenland tätig. Was ist Ihre Motivation, sich im LVS als Präsident zu engagieren?
Ich bin ein starker Befürworter von Zusammenarbeit und Ressourcenbündelung. Landwirtschaftliche Organisationen leisten dazu seit Langem einen wichtigen Beitrag. Dafür bin ich bereit, meine Zeit, meine Ideen und meine Energie einzusetzen.

Betreuten Sie ein bestimmtes Themengebiet (Ressort) in Ihrer bisherigen Vorstandstätigkeit?
Das vergangene Jahr war auch in der LVS pandemiebedingt speziell, viele geplante Tätigkeiten konnten nicht durchgeführt werden, so war es auch für die Vorstandsmitglieder eher ein ruhiges Jahr. Ich habe letztes Jahr als Vertreter der LVS Einsitz im Destinationsrat genommen und mich der Verbindung zwischen Landwirtschaft und Tourismus gewidmet.

Übernimmt diese Sparten nun jemand anderes?
Im Destinationsrat werde ich bleiben, unser neues Vorstandsmitglied Heidi Schopfer nimmt als Landwirtschaftsvertreterin im Vorstand des GST Einsitz.

Die LVS hat ein reges Tätigkeitsprogramm. Haben Sie Schwerpunkte, die Sie als Präsident setzen möchten?
Hauptsächlich will ich erreichen, dass sich jedes Mitglied, unabhängig von seiner Betriebsstrategie, bei uns eingebunden fühlt. Milchproduzenten, Mäster, Mutterkuhhalter und auch Älpler tragen zur Vielfalt unseres Tales bei und sollen durch die LVS bestmöglich unterstützt und vertreten werden.

Weiter möchte ich die sehr guten Verbindungen und Netzwerke nutzen, über die der aktuelle Vorstand des Bauernverbands, die Bio Suisse, die Tourismusdestination und die Gemeindegremien verfügen.

Gibt es Neues anzupacken?
Es gilt, sich laufend den neuen Herausforderungen zu stellen. Ich denke, wir sollten in der ganzen Destination mehr wahrgenommen werden. Die Bevölkerung und unsere Gäste sollten sich der Rolle der Landwirtschaft in der Region besser bewusst werden. Unsere schöne Landschaft und die hohe Biodiversität in der Region sind nicht einfach so entstanden, sondern über Jahrhunderte durch eine standortgerechte Bewirtschaftung erreicht worden.

Die Wildtierproblematik wird zu einem immer grösseren und polarisierenden Thema. Wird die Entwicklung des Rotwildbestandes nicht besser kontrolliert, wird auch die Wolfspräsenz zunehmen. Dies führt zu Zielkonflikten mit der Nutztierhaltung in der Berglandwirtschaft. Der hohe Hirschbestand bedroht auch den Schutz- und Wirtschaftswald. Baumarten, die einem künftig veränderten Klima entsprechen würden, werden besonders geschädigt. Da werden wir uns stark für eine vernünftige Bestandeskontrolle einsetzen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Landwirtschaft im Saanenland?
Wir leben hier sehr privilegiert, vieles läuft gut und es gibt gute Nebenerwerbsmöglichkeiten, dies wird auch künftig ein grosses Plus sein. Aber es wird wichtig, sich auf die sich ändernden Rahmenbedingungen und auf die Klimaveränderung einzustellen und zu agieren. Das Thema Nachhaltigkeit wird an Bedeutung zunehmen. Ich bin mir sicher, dass auch im Saanenland künftig hauptsächlich die Haltung und Pflege von Nutztieren im Vordergrund stehen werden, um von unseren Naturwiesen und Alpweiden gute Lebensmittel zu gewinnen. Dazu gehört – jedem Betrieb entsprechend – die Freude an der Viehzucht und das Präsentieren der gezüchteten Tiere.

Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf das Saanenland, wenn der politische Ruf nach mehr produzierender Landwirtschaft laut wird? Sind wir im Saanenland nicht schon produzierend genug?
Die Möglichkeiten einer höheren Lebensmittelproduktion sind hier recht begrenzt. Es ist nicht sinnvoll, hier mehr Milch zu produzieren, wenn dazu Futter vom Talgebiet, von Ackerflächen eingesetzt wird. Da ist meiner Ansicht nach der politisch gewollte Strukturwandel zu immer grösseren Betrieben schädlich: Es muss Arbeit eingespart werden, die Flächen werden teils nicht mehr gleich intensiv bewirtschaftet, es werden weniger Tiere gehalten und folglich wird weniger produziert.

Die Produktion von pflanzlichen Nahrungsmitteln wird an Bedeutung zunehmen, die veränderten Klimabedingungen bieten da auch Chancen – bereits heute werden an verschiedenen Standorten Kartoffeln und Gemüse angebaut.

Der wichtigste Punkt ist aber nicht die Produktion, sondern das Konsumverhalten. Es muss unbedingt wieder erkannt werden, dass Lebensmittel «Mittel zum Leben» sind und entsprechend wertgeschätzt werden. Zwingend muss von der Produktion über die Verarbeitung, den Handel und besonders die Konsumenten zur Reduktion von Food Waste beigetragen werden, dann hat es auch genug Nahrungsmittel.

Gibt es etwas, das Sie noch gerne loswerden möchten?
Ich freue mich auf die neue Aufgabe als Präsident der Landwirtschaftlichen Vereinigung Saanenland. Ich möchte Bauern wie Nichtbauern ermuntern, mit Fragen, Anliegen und Ideen jederzeit an uns zu gelangen. Ich vermisse manchmal etwas die Resonanz auf unser Wirken. Ansonsten wünsche ich uns allen nach dieser nervigen Pandemiezeit ein baldiges Ende des furchtbaren Krieges, der vor Ort so viel Leid verursacht und auch auf uns grosse Auswirkungen haben kann. Damit wünsche ich allen alles Gute in Haus, Hof und Stall.


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